Nachhaltig Heiraten – mit Alice von aliciouslog
Kennt Ihr Alice von aliciouslog? Ich durfte die Gute im Januar beim LOVE CIRCUS BASH in München kennenlernen – und sie liebt ihr Brautkästchen (und berichtet regelmäßig davon auf Instagram). Ihre Hochzeit wird etwas ganz Besonderes: Sie lebt nämlich nicht nur vegan, sondern legt auch auf Nachhaltigkeit besonders großen Wert. Ein Thema, das ihr auch in Sachen Hochzeitsplanung auf dem Herzen liegt! Deshalb habe ich sie gebeten, doch ein bisschen über ihre Hochzeit in grün zu erzählen und ein paar Tipps weiterzugeben, wie auch Euch Eure Hochzeit möglichst nachhaltig gestalten könnt. Viel Spaß beim Inspirationen sammeln!
Mein Herzensmann und ich legen großen Wert auf einen möglichst nachhaltigen Lebensstil. Wir kaufen unsere Lebensmittel nach Möglichkeit aus der Umgebung und möglichst Bio- bzw. saisonale Produkte. Auch bei Gebrauchsgegenständen und Kleidung setzen wir uns mit deren Herkunft und Herstellungsbedingungen auseinander und wiegen ab, ob wir diese Hose oder das T-Shirt wirklich benötigen. Für jeden Gegenstand, der neu in unsere Wohnung einzieht, muss ein alter gehen (idealerweise der nicht mehr reparierbare Artikel, der ersetzt wird, entsorgt werden).
Selbstverständlich soll sich diese Lebenseinstellung auch in unserer Hochzeit im kommenden September widerspiegeln. Wir möchten unserer Familie und unseren Freunden zeigen, dass dies nicht nur umsetzbar ist, sondern auch fernab von jeglichem Verzicht passiert.
Folgende Punkte werden wir gemeinsam mit unseren Dienstleistern umsetzen:
Shop local
Es war uns ein Anliegen, Dienstleister zu finden, die möglichst aus der Umgebung sind. In Österreich sind die Anfahrtswege zwar immer nur relativ lang (absolut gesehen nicht, weil Österreich dazu viel zu klein ist), aber dennoch wollten wir es vermeiden, eine DJane aus Tirol und einen Fotografen aus Kärnten nach Niederösterreich zu bitten, wo unsere Feier stattfinden wird.
Regionale, saisonale Speisen
Unsere Hochzeit findet im September statt und das wird sich auch auf den Tellern widerspiegeln: Es wird leckere Aufstrichbrote und Gemüsesticks sowie Körbe voll mit knackigen Äpfeln zum Empfang geben, zum Abendessen wird Kürbiscremesuppe serviert, danach folgt ein Buffet mit Speisen wir Pilzragout, einem Auberginengericht, Erdäpfel- und Fisolensalat. Selbst das (alkoholfreie) Bier wird in einer nahegelegenen Brauerei hergestellt.
In unserem speziellen Fall wird das gesamte Angebot auch vegan und sojafrei sein, was den ökologischen Fußabdruck nochmals drastisch reduziert.
DIY
Nicht nur nachhaltig, sondern in den meisten Fällen auch günstiger – und eine schöne Möglichkeit, um in Hochzeitsstimmung zu kommen und die Freundinnen gleich mit zu „begeistern“: Basteln :-)
Je nach Lust und Begabung können viele Dinge – von der Deko über die Drucksorten – selbst hergestellt werden und das auch wenig kompliziert.
Pompoms zu falten und aufzufächern schafft jede/r, Konfetti können beim Fernsehen aus buntem Altpapier gestanzt werden und als stimmungsvolle Teelichthalter oder rustikale Blumenvasen eignen sich (vielleicht mit Spitzenborte beklebte?) Einmachgläser gut, die ohnehin regelmäßig in so gut wie jedem Haushalt leergegessen werden.
Die Einladungen selbst zu designen kann hingegen, wie wir feststellen durften, ganz schön tricky sein und bedarf einiges an Geschick und Geduld mit Photoshop oder ähnlichen Programmen. Hier bieten verschiedene Onlineanbieter (z.B. auf Etsy oder Dawanda) Unterstützung in Form von Vorlagen, die mit relativ geringem Aufwand in Text und farblicher Gestaltung den eigenen Vorstellungen angepasst werden können.
Das Kleid
Es war ein langer Weg, mich für ein Kleid zu entscheiden, weil erstens die Auswahl riesig und schier unüberschaubar ist und es zweitens für mich von Anfang an klar war, dass absolute Nachvollziehbarkeit bei dessen Produktion für mich unabdingbar ist. Irgendein Teil von der Stange (sei es mit berühmtem Label oder ohne), wo auch nur die Möglichkeit besteht, dass es von Kindern oder unter widrigsten Bedingungen arbeitenden Näherinnen gefertigt wurde, kam nie in Frage. Ein Secondhand-Kleid wäre für mich zwar denkbar gewesen, ich habe aber schlicht und einfach keines gefunden, das mir gefiel.
Mit Hilfe einer Bekannten habe ich nun eine tolle Schneiderin in Wien gefunden, die mein Kleid nach meinen Vorstellungen anfertigen wird – und das auch noch zu einem günstigeren Preis als ich etwas Vergleichbares je in Brautmodeläden kaufen könnte.
Darüber hinaus wird mein Kleid nach der Hochzeit zu einem eleganten Abendkleid umgenäht, damit ich es auch später noch tragen kann. Es wäre doch viel zu schade, dieses wunderbare Kunstwerk nur ein einziges Mal zu tragen!
Fairer Schmuck
Wie auch schon bei meinem Verlobungsring möchten wir auch unsere Eheringe aus zertifiziertem fairem Gold herstellen lassen. In Wien hat sich der Anbieter Skrein darauf spezialisiert, Schmuck aus recycletem oder fair produziertem Gold herzustellen.
Der Stein auf meinem Verlobungsring ist übrigens second-hand: Offenbar bekommen manche Frauen zum Hochzeitstag ein „Upgrade“, also einen größeren Diamanten. Meiner wurde also schon einmal auf einem Verlobungsring getragen, dann gegen einen größeren eingetauscht – und schmückt jetzt meinen Ring.
Nachhaltige Papeterie
Klar, Bäume wachsen nach, aber zwischen Baum und Papier liegen oft noch Unmengen an Chemikalien und für die Umwelt schlecht verträgliche Prozesse. Daher bemühen wir uns, unsere Einladungen, Menükarten und so weiter aus Recyclingpapier zu fertigen. Recycling- oder Naturmaterialien haben oft eine (für mich sehr ansprechende) Oberflächenstruktur und sehen gerade aufgrund ihrer Unebenmäßigkeit toll aus.
Bei einigen Dingen haben wir überhaupt auf Papier verzichtet: Die Save the Date-Nachrichten wurden per Email verschickt und die wichtigsten Infos zur Hochzeit (z.B. die Anreise und den Ablauf der Feier betreffend) haben wir auf unserer (passwortgeschützten) Hochzeitswebsite den Gästen zugänglich gemacht, die wir nach der Feier mit Fotos aktualisieren werden.
Saisonale Blumen
Ranunkeln und Flieder im Herbst sind möglich, müssen aber um die halbe Welt geflogen werden – nachdem sie mit Unmengen an Pestiziden behandelt wurden. Sonnenblumen, Hortensien und die immer verfügbaren Rosen kommen im September aus der Umgebung. Und Schleierkraut gibt es ohnehin das ganze Jahr. Warum bei einer rustikal inspirierten Hochzeit nicht die Brautjungfern zum Blumenpflücken auf die Herbstwiese schicken? Unsere Location ist zum Beispiel schon so hübsch, dass sie ohnehin nur wenig Blumenschmuck braucht und die Trauung soll auf einer Wiese stattfinden. Da ist der Blumenschmuck quasi schon inkludiert.
Gebrauchtes/ Geborgtes
Habt ihr beim Grillabend eines Freundes vielleicht eine Lichterkette entdeckt, die sich toll in eurer Photobooth machen würde? Dann fragt doch mal nach! Vielleicht könnt ihr sie ja ausborgen. Dasselbe gilt für … alles. Ich finde, fragen kann man ja mal :-)
Die Scheibtruhe/ Schubkarre, die euer Onkel seit dem Hausbau in der Garage rumstehen hat, gibt mit Eis gefüllt eine zweckdienliche Kühlbox für Getränke, eine Holzleiter kann mit ein paar Brettern zu einem hübschen Regal umfunktioniert werden und und und.
Ich habe im Herbst einer Braut 6 Bananenkisten voll mit Pompoms in unseren Farben sehr günstig abgekauft und 44 Weckgläser bei einem Flohmarkt erstanden (um unglaubliche EUR 10!). Nach der Feier werde ich versuchen, einen Teil der Deko weiterzugeben, damit auch andere Bräute sich darüber freuen können. Hierfür gibt es genug Brautforen auf Facebook, die zum Teil darauf spezialisiert sind, Weiterverkäufe möglich zu machen. (Anmerkung von Jenny: Hüstel, ich glaube, da gibt es doch so einen Brautflohmarkt?!)
Ihr seht, es ist gar nicht so kompliziert, eine Hochzeit ein bisschen grüner zu gestalten.
Ich wünsche euch viel Spaß bei der Vorbereitung und einen unvergesslichen Großen Tag!
Eure Alice
Beitragsbild: Juliane Rhedas