Nach der Hochzeit ist vor dem Hochzeitstag – Interview mit Friederike Delong

Nach der Hochzeit ist vor dem Hochzeitstag – Interview mit Friederike Delong

So langsam geht die Hochzeitssaison ihrem Ende zu – nur noch die August- und Septemberbräute fiebern ihrem großen Tag entgegen, die Mai-Juni-Juli-Bräute sind schon unter der Haube… und wissen vielleicht nichts mehr mit sich anzufangen. Diagnose: After-Wedding-Blues. Was man dagegen tun kann, verrät uns heute Friedrike – freie Traurednerin und selbst Braut aus Leidenschaft.

 

 

Friederike, Du bist die Trautante und als solche freie Traurednerin. Du begleitest Deine Paare aber meist über die Trauung hinaus… Hand aufs Herz: Wie viele Bräute sind vom After Wedding Blues befallen?

Liebe Jenny,

Ich fürchte, es sind unglaublich viele Bräute vom After-Wedding-Blues befallen. Das ist aber auch ganz logisch. Schon seit Jahrtausenden, im Moment aber gefühlt ganz besonders, stehen Bräute unter einem enormen Druck zu ihrer Hochzeit. Das ganze Leben ändert sich, die Hochzeit soll perfekt sein, monatelang ist man fast durchgehend mit dem Thema Heiraten beschäftigt und denkt an kaum mehr etwas Anderes.

Und dann ist man verheiratet.

Abgesehen davon, dass plötzlich aller Stress und alle Aufregung von der Braut abfallen und das sowieso schon mal dazu führt, dass alle unterdrückten Gefühle zum Vorschein kommen und man total emotional wird, ist dann eben irgendwie einfach alles weg, worauf man sich monatelang vorbereitet hat und was man sich so schön ausmalte. Da sitzt Braut dann abends zu Hause und weiß plötzlich nichts mehr mit sich anzufangen, wo sie die Tage, Wochen, Monate und manchmal sogar Jahre vor der Hochzeit einfach immer irgendwie beschäftigt war mit hier noch was organisieren und da noch was basteln.

Das ist schwierig!

Ich weiß das, denn es ging mir ganz genau so.

Ich habe selbst 2013 geheiratet und der Weg zur Hochzeit war die meiste Zeit einfach wundervoll. Klar: anstrengend, nervenaufreibend und nervig. Aber eben auch schön. Meine Schwester, mein Mann und ich haben monatelang einfach nichts anderes getan, als die für uns perfekte Hochzeit zu organisieren. Und – leider ein häufiges Phänomen – wurden kurz vor knapp einige Gäste sehr komisch, ganz viele Menschen um mich rum waren gestresst und am Ende war die Hochzeit bestimmt toll, ich kann mich aber kaum daran erinnern und hatte das Gefühl, keiner hätte Spaß gehabt.

Diese Mischung der Gefühle aus schlechtem Gewissen, weil nicht alle Gäste unglaublich begeistert waren, Traurigkeit, dass die Hochzeit vorbei ist, Stress von den ganzen Vorbereitungen, der Aufregung, dem Aufräumen und dazu das „Huch, schon vorbei? Ich kann mich gar nicht wirklich erinnern, das ging Alles so schnell!“ war schlimm.

Deswegen hab ich in der folgenden Woche Miniflittis ganz eindeutig gespürt, wie die ganze Anspannung von mir abfiel: Ich weinte stundenlang und war unglaublich traurig und depressiv. Und kam da erstmal einfach nicht besonders gut raus.

Und so geht es ganz ganz vielen Bräuten und auch Bräutigamen.

Eine Hochzeit ist einfach ein sehr emotionales, aufregendes und großes Ereignis im Leben, auf das man sich sehr gewissenhaft vorbereitet und bei dem Brautpaare es viel zu oft allen Gästen und Mitmenschen Recht machen wollen und gleichzeitig von vielen Seiten Steine in den Weg gelegt bekommen.

Es ist überhaupt nicht verwunderlich, dass sich nach dem großen Ereignis dann erstmal eine große Traurigkeit breitmacht aus so so so vielen verschiedenen Gründen.

 

 

Du selbst inszenierst Deine Hochzeitstage entsprechend des jeweiligen Mottos mit einem großen Fotoshooting. Magst Du uns davon erzählen?

Na aber klaro!

Für mich war meine Hochzeit durchaus auch schwierig, aus den eben schon erzählten Gründen. Und ich stellte in dem Jahr nach der Hochzeit fest: Wir hätten Vieles ganz anders machen sollen. Denn das was bleibt, sind nun mal wir beide, mein Mann und ich. Und wir sind die Personen, um die es gehen sollte und wir müssen es gar Niemandem Recht machen mit unserer Hochzeit.

Im ersten Jahr unserer Ehe haben wir außerdem sehr viel verändert: Wir sind umgezogen in eine völlig neue Region, haben viele neue wunderbare Menschen kennengelernt und uns von anderen verabschiedet, es ist einfach sehr viel passiert.

Und so hatte ich das Gefühl, ich wollte meinem Mann nochmal sagen, wie sehr ich ihn liebe und bekräftigen, dass ich nach wie vor zu ihm stehe, seine Ehefrau sein möchte und immer für ihn da sein will. Außerdem verwöhne und feiere ich einfach unglaublich gern diesen wundervollen Mann.

Also habe ich ihn zu unserem ersten Hochzeitstag überrascht mit einem Ausflug in ein Afrikahotel (in Groß-Umstadt, kann ich nur empfehlen). Mit wahnsinnig gutem Essen, einem Besuch einer Therme und allem Pipapo. Und eben mit einem Fotoshooting, bei dem ich unsere Hochzeit noch ein Mal umgesetzt habe. Nur als Picknick und mit Baumwolle integriert, denn der erste Hochzeitstag ist die „Baumwollhochzeit“.

Die Überraschung ist rundum gelungen: Wir hatten unglaublich viel Spaß, haben Zeit für uns gehabt, nochmal eine Hochzeitstorte gegessen, Hochzeitswein getrunken und unser Hochzeitsmenü als Picknick gegessen. Es war toll.

So toll, dass wir noch am gleichen Abend sagten, dass wir das unbedingt wiederholen müssen zum zweiten Hochzeitstag. Und glücklicherweise waren Zeugen anwesend, so konnte sich mein Mann nicht drücken.

Zum zweiten Hochzeitstag gab es also wieder ein Fotoshooting, diesmal mit dem Thema Lederjacke und Zuckerwatte in einem American Diner. Einfach, weil nach zwei Jahren Ehe das Lederjubiläum gefeiert wird.

Und gerade gestern sagte mir mein Mann, er hätte Urlaub eingereicht und genehmigt bekommen. Und als ich fragte, welchen Tag denn und wofür, grinste er mich nur an mit „Unser Hochzeitstag. Wir brauchen ja Zeit für die Fotos!“

Ha!

Dieses Jahr ist es nochmal das Thema Leder, aber wir werden es vööööööööllig anders umsetzen als im letzten Jahr. Das wird gewiss spannend und ungewohnt, aber ich freue mich schon sehr darauf, diese Zeit wieder miteinander zu verbringen.

 

 

Was sind Deine Tipps für die erste Zeit nach der Hochzeit… und für die vielen Jahre, die noch kommen werden?

Erstmal hab ich tatsächlich drei große Tipps für die Zeit vor der Hochzeit, damit der After Wedding Blues nicht so enorm wird:

  1. Heiratet so, wie Ihr wollt! Es ist Eure Hochzeit. Ihr müsst es Niemandem Recht machen, feiert so, wie Ihr möchtet. Und ob das eine intime Hochzeit nur zu zweit ist oder die Riesensause mit 250 Gästen, ist völlig gleichgültig.
  1. Eine Hochzeit muss nicht perfekt sein, sondern echt! Genau wie es Eure Liebe ist, die wunderbar ist, auch wenn man sich mal streitet, ist auch eine Hochzeit dann perfekt, wenn sie nicht perfekt ist. Es gibt unzählige Beispiele, was alles schief gehen kann und was dann eben gerade dafür sorgt, dass noch nach Jahren einfach über diesen einen wunderschönen Moment gesprochen wird. Also, wenn Ihr nicht alles perfekt durchplant: Ja und? Es wird ein wunderbarer Moment, egal, ob die Freudentaschentücher die richtige Farbe haben oder nicht. Und eine entspannte Hochzeit ist für die Nerven eindeutig schonender.
  1. Gönnt Euch auch in der Vorbereitung Zeit zu zweit! Es klingt unglaublich profan… aber in der vorfreudigen Zeit der Vorbereitung auf die Hochzeit, kommt die Paarbeziehung oft zu kurz. Von anderen Hobbies, Lieblingsmenschen und all den Dingen, die man im normalen Leben so macht, ganz zu schweigen. Also: Denkt möglichst viel und oft auch mal an was Anderes als an die bevorstehende Hochzeit. Verbringt Zeit zu zweit ohne über die Hochzeit zu sprechen (was wirklich schwer ist), genießt die Zeit mit Euren Liebsten abseits des Schwelgen in der bevorstehenden Hochzeit und geht Euren Hobbies nach. Dann ist das Loch, in das man nach der Hochzeit fällt, viel kleiner!

 

Aber natürlich habe ich auch ein paar Tipps für die Zeit nach der Hochzeit:

  1. Gönnt Euch Zeit zu zweit und verlängert die Hochzeit ein wenig… Miniflittis sind dann eine gute Idee, wenn es für die großen Flitterwochen direkt im Anschluss nicht reicht. Einfach mal für ein paar Tage weg. Und selbst wenn es nur eine kleine Ferienwohnung am Strand ist oder eine Pension am nächsten See: Ihr braucht Zeit zu zweit! Genießt, dass Ihr verheiratet seid, geht spazieren, macht Dinge, die Ihr toll findet. So ist die gefühlte Hochzeit nicht ganz so kurz und schnell vorbei. Braut und Bräutigam landen ein wenig weicher ;)
  2. After-Wedding-Shoots! Sie sind eine wunderbare Möglichkeit, Eure Liebe in Bildern festzuhalten. Ihr könnt nochmal in diese tollen Klamotten schlüpfen und auch hier einfach die Zeit miteinander genießen. Denn Hand auf`s Herz: Während der Hochzeit habt Ihr so gut wie keine Zeit zu zweit und das Alles ist ruckzuck vorbei! Und wenn man die Hochzeit so nach hinten raus ein wenig verlängern kann, gilt wieder: Man fällt nicht so unsanft ;)
  3. Und vor allem: Das, was wichtig ist an einer Hochzeit, ist, dass Ihr Euren Lieblingsmenschen, Vertrauten, Geliebten und im Idealfall besten Freund oder die beste Freundin für immer behalten dürft. Das ist es, worum es bei der Hochzeit geht. Und sich das immer wieder vor Augen zu führen, wie wundervoll dieser Umstand ist, das hilft wirklich gut!

 

 

Friederike Delong ist die Trautante und verheiratet als freie Traurednerin jährlich etliche Paare. Sie ist eine der innovativsten Hochzeitsrednerinnen in Deutschland – und das merkt man auch ihrer eigenen Hochzeit an, die 2013 stattfand.

 

Beitragsbild: Juliane Rhedas

 

PS: Das Beitragsbild zeigt übrigens das wundervolle Buch Ehe im Glück, das auch bei uns im Shop erhältlich ist :-)

Jenny ist die Gründerin von Brautkästchen - außerdem arbeitet sie als freie Traurednerin und Hochzeitsplanerin und hat zusammen mit zwei Freunden den Online-Marktplatz Brautflohmarkt gegründet. Ihr seht schon... sie ist durch und durch verrückt nach Hochzeiten.

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